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Die 9 Häuser von Carl Weidemeyer
Casa Tutsch, 1928-1931
Die Casa Tutsch befindet sich in Porto Ronco, einem Teil von Ronco s/Ascona. Sie wurde 1928 erbaut und 1931 von Carl Weidemeyer selbst erweitert. Im Vergleich zu den anderen Häusern ist das Bauvolumen geringer. Zwei Stockwerke sind bewohnbar, ein Untergeschoss (Porticato) ist getragen von Terrassen, die die verschiedenen Ebenen verbinden. Alle Mauern sind aus Tessiner Granit hergestellt.
Das Haus wird als Ferienwohnung genutzt. Es befindet sich in ausgezeichnetem Zustand. Diesen verdankt es einer effizienten Restaurierung, die von den neuen Eigentümern, Ursula und Markus Neuenschwander, 1990 unter Leitung des Architekten Paolo Gallicciotti (Tenero) durchgeführt wurde. Einige Teile des Hauses, vor allem das Untergeschoss, wurden dem ursprünglichen Zustand von 1931 angeglichen. Das Mobiliar des Schlafzimmers und die Einrichtung des Badezimmers in Carrara Marmor sind authentisch.
In der unteren Abbildung sieht man die Einbauregale des unteren Zimmers und das stilgerechte Badezimmer, alles von Carl Weidemeyer selbst entworfen.
Aussicht vom See, 1928, Foto Nachlass Weidemeyer
Inneneinrichtung und Badezimmer, 1997, Foto Paolo Kaehr
Casa Fontanelle, 1928-1931
Die Casa Fontanelle liegt am Ufer des Lago Maggiore in der Gemeinde Ronco s/Ascona in Porto Ronco neben der Casa Tutsch. Sie wurde 1928 gebaut. Das relativ grosse Haus war urspünglich in zwei bewohnte Stockwerke und einen Porticato, eine von Säulen getragene Terrasse, unterteilt. Die Bodengestaltung diente einer entsprechenden Terrassierung, die, ähnlich wie bei der Casa Tutsch, direkt zum See führte. Aussentreppen verbinden die verschiedenen Ebenen. Für all diese Mauerarbeiten wurde Granit aus Tessiner Steinbrüchen verwendet. Über die Südfront des Hauses verlief eine grosse Aussentreppe, die die Fassade durchquerte.
Das Haus diente zu Ferienzwecken. Es hat während seiner langen Existenz sehr viele Eingriffe erlebt: zuerst wurden die unbewohnten inneren Räume zu Wohnungen umgebaut. Dann wurde eine grosse gedeckte Schwimmhalle hinzugefügt. Schliesslich ersetzte ein Lift und eine Innentreppe die Aussentreppe, von der nur ein Teil übrig blieb. Durch diese Umbauten wurde der ursprüngliche Zustand des Hauses fast unkenntlich gemacht.
Aussicht vom See, 1931, Foto Nachlass Weidemeyer
Die Treppe entlang der Hauptfront, 1931, Foto Nachlass Weidemeyer
Casa Benvenuto, 1935
Vor der Erbauung der Villa Chiara war das Terrain nur dank eines steilen Weges der von der Kantonsstrasse aufstieg, von Süden her zugänglich. Die mit dem Bau zusammenhängenden Bedürfnisse betrafen auch den Zugang: der neue Zugang wurde von Osten her von der Via Collinetta aus durchgeführt. Dadurch konnte man per Auto bis zur Ebene der Villa Chiara fahren. Am Eingang zum Park stand die dreistöckige Casa Benvenuto, gleichsam zur Begrüssung von Gästen. Von dort führte durch den Garten ein ebener Fussweg zur Villa Chiara, der allmählich die Aussichtslage des ganzen Grundstücks erschloss. Das Haus wurde zur Unterkunft von Gästen oder Mietern verwendet. Die Casa Benvenuto wurde 1960 abgerissen, um einem Einfamilienhaus Platz zu machen.
Leider gingen alle Dokumente der alten Casa Benvenuto verloren, mit Ausnahme der Pläne aus dem Archiv des verantwortlichen Ingenieurs Carlo Martinoni (Minusio) und einigen Fotos.
Casa Benvenuto, 1936, Foto W. Oppenheimer
Casa Benvenuto, 1936, Foto Nachlass Weidemeyer
Villa Chiara, 1936
Die Villa Chiara wurde auf einer künstlichen Terrasse gebaut, die sich senkrecht über dem Lago Maggiore befindet und durch den Aushub einer Felssprengung entstanden ist. Auf dieser Ebene mit grossartiger Fernsicht hat der Architekt Weidemeyer (1934) zwei anatomisch unterschiedliche Häuser konzipiert: die dreistöckige Casa Benvenuto am Eingang des Parkes und die Villa Chiara, ein länglich gezogenes und mit einer Terrasse versehenes Bauwerk in der Art eines Bungalows. Die Villa Chiara wird von den Eigentümern bis heute intakt gehalten und bewohnt. In diesem Hause kann man immer noch die ursprünglich verwendeten Materialien erkennen: von den Fensterrahmen aus Aluminium, die zu den ersten Konstruktionen dieser Art im Tessin gehörten, über die Bodenplatten, die Holzregale bis zu den Abrundungen im Innern und an der Aussenfront des Gebäudes.
Das Foto (links, Mitte) zeigt die ungewöhnliche Lage des Hauses direkt oberhalb des Lago Maggiore. Im unteren Bild sieht man in einer Skizze von Weidemeyer die Absicht des Architekten, ein Stockwerk über dem Hauptkörper des Hauses zu errichten. Diese erhöhte, gedeckte Terrasse wurde jedoch nicht ausgeführt.
Die Villa Chiara ist in Privatbesitz und wird ganzjährig von den Nachkommen der Erbauer, der Familie Oppenheimer, bewohnt
Villa Chiara, 1936, Foto Nachlass Weidemeyer
Villa Chiara, 1936, Foto Nachlass Weidemeyer
Skizze von Weidemeyer, Nachlass Weidemeyer
Casa Andrea Cristoforo, 1928
Das Gebäude Andrea Cristoforo wurde für eine Industriellenfamilie gebaut, die im gleichen Haus in Ascona handwerkliche und künstlerische Arbeiten unterbringen wollte: im Erdgeschoss wurde daher ein Atelier mit Webstühlen erstellt, so wie es Fotos der damaligen Zeit dokumentieren. In den beiden oberen Stockwerken befanden sich die Wohnungen, wobei die obere Wohnung durch eine markante Freitreppe, die den gesamten Osttrakt mit dem Flachdach verband, direkt zugänglich war.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus an eine Stiftung verkauft, die dort ein Kurhaus eröffnete. Es wurde eine Anzahl Umbauten und Angliederungen vorgenommen, die den ursprünglichen Baukörper völlig umstrukturierten. Es erfolgte ein Anbau an der Ostseite und eine Aufstockung. Im Innern wurde eine Treppe zur Verbindung der Stockwerke errichtet. Weitere bauliche Veränderungen wurden den neuen Bedürfnissen des Kurhauses entsprechend vorgenommen. Hierdurch wurde die Einheit der ursprünglichen architektonischen Konzeption gänzlich gesprengt.
Das Haus von Südosten, 1931, Foto Nachlass Weidemeyer
Die spektakuläre externe Treppe, 1931, Foto Nachlass Weidemeyer
Die Situation vor 2005, das Foto stammt aus dem Prospekt des Kurhauses
Casa Rocca Vispa, 1930
Das Haus Rocca Vispa markierte einen Durchbruch der mordernen Architektur im Tessin. Die Erbauung dieses Hauses führte zu endlosen Diskussionen. Schliesslich unterbrach das Gemeindeamt die Arbeiten durch den Einsatz von bewaffneten Polizei. Gestützt auf ein klares Gutachten der Denkmalschutzkommission unter Beiziehung des Architekten O. Maraini (Lugano) und aufgrund eines Bundesgerichtsentscheides wurde der Bau genehmigt, obschon er gegen die Bauordnung verstiess, die kurz zuvor angenommen worden war. Die Bauordnung verbot «Bauwerke, die dem Landesstil nicht entsprachen.» Es handelte sich um einen erneuten Wechsel der behördlichen Ansichten gegenüber der neuen, herausstechenden rationalistischen Bauart, die in jenen Jahren dank Le Corbusier, dem Bauhaus von Gropius und der verblüffenden Welssenhofsiedlung in Stuttgart die Aufmerksamkeit der internationalen Fachwelt auf sich zog.
Der umfangreiche Baukubus befand sich auf einer felsigen Anhöhe seitlich vom Monte Verità. Von allen Seiten sichtbar hatte das Gebäude ein wechselvolles Schicksal. Nach dem Tode der Bauherrschaft stand es während langer Zeit leer.
Die widrigen Umstände schienen sich gegen diesen Bau zu verschwören. 1972, zur Zeit des Abbruchs, fanden leidenschaftliche Diskussionen über die Bestimmungen der neuen kommunalen Bauordnung statt. Es herrschte grosse Verwirrung. Eingaben der Nachbarn, Rekurse und Gegenrekurse unterlagen den Kräften des Baumarktes. Schliesslich wurde das Haus durch einen Wohnungsblock mit 26.000 Kubikmeter ersetzt und dies in einer Zone, in der prinzipiell nur Einfamilienhäuser erlaubt waren.
Originalzustand, 1931, Foto Nachlass Weidemeyer
Originalzustand, 1931, Foto Nachlass Weidemeyer
Die Garage, abgerissen 1980, 1931, Foto Nachlass Weidemeyer
Casa Schoenenwald, 1929
Der erste Auftrag, der von Weidemeyer nach dem Teatro San Materno ausgeführt wurde, betraf den Anbau an ein kleines Haus an der Collina von Ascona.
Das Haus wurde 1939 abgerissen, um einer grossen Villa Platz zu machen.
Südansicht des Vergrößerungsbaus, 1928, Foto Nachlass Weidemeyer
Ostansicht des Vergrösserungsbaus, 1928, Foto Nachlass Weidemeyer
Casa Haas, 1928
Das Haus Haas, am Hang des Monte Verità gebaut, ist das erste Wohnhaus, das Weidemeyer nach dem Teatro San Materno und einem kleinen Anbau an die Casa Schoenenwald errichtete. Es wird bestimmt durch ein kleines Volumen und durch eine klare Planung: die Wohnung befindet sich über einem Erdgeschoss mit grosser Terrasse, die die Sonnenseite des Hauses umgibt. Das Haus von Haas machte insofern Geschichte, als es das Gemeindeamt zwang, eine Bauordnung auszuarbeiten. Bis dahin besass Ascona kein Baureglement. Man bezeichnete das Haus Haas ebensowie ähnliche Bauten (Hotel Monte Verità, Teatro San Materno) als «nordische Importware». Das Gemeindeamt reagierte, indem es beschloss, eine Bauordnung «zum Schutz des Landes-Stiles» zu erlassen.
Das Haus Haas wurde zweimal erweitert, wodurch der ursprüngliche Baukörper (es wurde ein Ziegeldach aufgesetzt) und die interne Raumplanung grossen Schaden nahmen. Das Haus ist schwer erkennbar, weil es durch ein vierstöckiges Gebäude verdeckt wird, es wird aber noch bewohnt.
Originalzustand des Gebäudes, 1930, Werk 3/1930
Heutige Situation, 1997, Foto Paolo Kaehr
Teatro San Materno, 1928
Das Teatro San Materno ist der erste und bekannteste Bau von Weidemeyer in Ascona. Dieses im Auftrag von Paul Bachrach für seine Tochter Charlotte Bara errichtete Gebäude sollte «ein Tempel für künstlerische Gestaltungen im Geiste einer Tanzschule» sein. Es ist schweizweit das erste Kammertheater der neuen Epoche. Die Multifunktionalität des Baukörpers hat dessen Architektur beeinflusst: Er sollte nicht nur für Tanzvorstellungen, sondern auch für Konzerte und Vorträge dienen. Einige Schüler konnten in den möblierten Zimmern des Obergeschosses des Theaters wohnen. Die grosse Terrasse wurde für Tanzübungen im Freien benützt. Charlotte Bara tanzte und organisierte Veranstaltungen von 1928 bis 1958.
Das Gebäude blieb dann bis in die 70er Jahre praktisch unbenutzt, wodurch es einen erheblichen Schaden erlitt. Einige Reparaturen waren zwar in den 50er Jahren vorgenommen worden, aber der Gesamtzustand des Teatro liess bereits zu wünschen übrig.
Ende der 70er Jahre erhielt das Künstlerpaar Michelle und Michel Poletti von der Gemeinde Ascona, der Eigentümerin des Teatro San Materno, die Betriebsführung und von nun an erfüllte neues Leben die alten Mauern. Die Theatergruppe Antonin Artaud veranstaltete unter der Leitung ihres Direktors M. Poletti regelmässige Tanzabende, Folk Musicals und Marionettenauftritte, die zu einer kulturellen Attraktion des ganzen Tessins wurden.
Leider verfielen die baulichen Einrichtungen immer mehr, so dass eine Renovierung des Bauwerks, das inzwischen unter Denkmalschutz gestellt wurde, unumgänglich wurde.
Das Theater auf einem Foto aus der Epoche, Foto Nachlass Weidemeyer
Der Zustand des Theaters im 1997, Foto Paolo Kaehr
Das Theater nach Beendigung der akribischen Restauration, 2009, Foto Paolo Kaehr
Die restaurierte Südfassade, 2009, Foto Paolo Kaehr