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Carl Weidemeyer
Geboren 21.05.1882 Bremen
Gestorben 10.04.1976 Ascona

Carl Weidemeyer ist in engen, kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Er hatte viele Geschwister und hat die Volksschule sowie die Realschule besucht. Auf Wunsch des Vaters machte er eine Maurerlehre und anschliessend ein Hochbaustudium an der Baugewerkschule. Diese bot unter anderem auch Möglichkeiten zur künstlerischen Arbeit. Danach fand Carl Weidemeyer eine Anstellung in einem Bremer Architekturbüro.

Nach einem Jahr gab Weidemeyer die Stelle auf, um sich der ersehnten künstlerischen Ausbildung zu widmen. Er ging nach Berlin, um ein Studium an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums aufzunehmen. In Bremen wurden Gönner gefunden, die bereit waren, seine Ausbildung zu unterstützen. Jedoch fand er nicht die gewünschte künstlerische «zusagende Nahrung».

In dieser Zeit verkehrte er auch in der Steglitzer Werkstatt. Auf seinem Weg zum freien Künstler kam Weidemeyer mit verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten in Kontakt. Ein Jahr lang war er Schüler von Knottnerus-Meyer in Hannover. Dann liess er sich in München nieder, um bei Paul Schulze Naumburg Unterricht zu nehmen. Nach fast dreijähriger «Wanderzeit» liess sich Weidemeyer in dem sehr bekannten Künstlerort Worpswede bei Bremen nieder. Er fand schnell den Anschluss in der Kolonie. In dieser Zeit arbeitete er auch als Grafiker und Zeichner und entwarf unter anderem Holzspielzeug.

Von 1907 bis 1909 hatte er zahlreiche Ausstellungen und fand dabei gute Resonanz in der Presse. Als Grafiker und Zeichner für Buchschmuck pflegte er intensive Zusammenarbeit mit dem Insel Verlag: Andersen Märchen 1909, Grimms und Hauffs Märchen 1910 und das Buch: «Die Blümlein des heiligen Franziskus» im Jahr 1911. Mit diesen illustrierten Ausgaben schuf Weidemeyer einen Meilenstein für den Insel Verlag.

Von 1913 bis 1914: Heirat und Aufenthalt in Paris, der durch den Ausbruch des Krieges unterbrochen wurde. Weidemeyer kehrte dann nach Deutschland zurück und wurde 1917 als Funker eingezogen. Nach dem Krieg kehrte er nach Worpswede zurück.

1923 verkaufte er sein Anwesen in Worpswede. Anschliessend hielt er sich in Willingen auf. Diese Jahre waren von architektonischen Aufträgen geprägt. In Willingen lernte er die Tänzerin Charlotte Bara kennen.

1927 besuchte Weidemeyer die Werkbundausstellung «Die Wohnung» in Stuttgart. Nach diesem Besuch änderte Weidemeyer seinen architektonischen Stil radikal. Er orientierte sich nun an der führenden Moderne, dem Bauhaus. Auf Einladung des Textilindustriellen Paul Bachrach, Vater der Ausdruckstänzerin Charlotte Bara, kam Weidemeyer Oktober 1927 nach Ascona, wo er dann auch geblieben ist. Im Auftrag von Paul Bachrach baute er das Teatro San Materno, mit dem er sich als Architekt einen Namen machte. Es folgten neue Aufträge.

Während der 30er Jahre widmete sich Weidemeyer ganz der Architektur.

Sein persönlicher sich dem Bauhaus anlehnender Stil, die Einführung des Flachdaches, brachte ihm Schwierigkeiten mit den Tessiner Behörden. International wurde er bekannt durch diverse Publikationen in Fachzeitschriften (Schweiz, Deutschland, Italien, Ungarn und Japan). Weidemeyer war auch an der Exhibition Mordern Architektur des Museum of Modern Art in New York.

Der zweite Weltkrieg setzte eine Zäsur. Weidemeyer wollte nicht zurück ins deutsche Reich, er verlor seinen Pass und dadurch auch die Arbeitserlaubnis in der Schweiz.

Diese mageren Jahren überlebte er nur dank der Hilfe von Freunden und gelegentlichen Zeichnungen für die Gestaltung von Tessiner Möbeln (FOWA Möbel).

1948 machte er nochmals einen architektonischen Versuch mit wenig Erfolg. Ab 1948 war er ausschliesslich als Maler tätig. 1960 zog er nach 30 Jahren vom Torre Carcani in die Casa Borromeo, wo er still und zurückgezogen lebte und arbeitete, von der Bevölkerung respektiert und verehrt. Zum 90. Geburtstag fand am 20. Mai 1972 im Museo Comunale di Ascona sowie anschliessend in der Kunstgalerie Esslingen eine Ausstellung seines Gesamtwerkes statt.
Künstlerpersönlichkeit
Carl Weidemeyer war ein Allroundkünstler. Er fing als Maler an, betätigte sich aber später auch in vielen anderen Gebieten künstlerischer Tätigkeit, wie Zeichnung, Grafik, Holzschnitt, Spielzeug, Möbeldesign und Architektur, um dann wieder zur Malerei zurückzukehren.

Er spielte mit viel Begeisterung und recht gut Querflöte. Weidemeyer war Autodidakt, er hat es sich selbst beigebracht.

Jahrelang wirkte er als Sprecher im legendären Marionettentheater von Köbi Flach mit.
Still, bescheiden und zurückgezogenen lebte er seine Kunst.

Weidemeyer suchte nicht die Öffentlichkeit und den Erfolg. Geld interessierte ihn nicht. Von seinen Bildern konnte er sich nur sehr schwer trennen. So stand er sich oft selbst im Weg. Durch diese Umstände ist das Werk von Carl Weidemeyer nicht einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, wie es von seinem künstlerischen Potential her zu wünschen gewesen wäre. Doch ein kleiner Kreis von Kunstliebhabern schätzt sein Werk sehr.
Bildunterschriften: Von oben nach unten

1. Foto arch. Carl Weidemeyer,
Nachlass Weidemeyer, Ascona

2. Bremer Spielzeug, Tiere der Arche Noah, Holzspielzeug designt von Carl Weidemeyer für die Vereinigten Bremer Werkstätten 1908-15, Focke Museum, Bremen

3. Titelblatt und Frontispiz von Hans Christian Andersens Märchen, Insel Verlag, Leipzig 1909, Privatsammlung

4. Blick auf den Lago Maggiore in Ascona, 1950-54, Ölfarbe, 600 x 760 mm, Nachlass Weidemeyer, Ascona

5. Isola, 1969, Farbstift, 165 x 280 mm,
Nachlass Weidemeyer, Ascona

6. Cavalli, ca. 1958-60, Ölfarbe,
630 x 460 mm, FCW 0-0-16